Einführung DCF-Verfahren

 

Bevor wir uns dem DCF-Verfahren zuwenden, wollen wir uns mit den praktizierten Methoden der Anlagenentscheidung befassen.

Es existieren eine Reihe von Philosophien, auf die Anleger zurückgreifen, um das Potential einer Aktie zu ermitteln. Letztendlich lassen sich die Strategien in drei Hauptgruppen einteilen:

 

  • Technische Analyse
  • Fundamentalanalyse
  • Moderne Portfoliotheorie

 

  Kurseinflüsse Bewertung Verhältnis fairer Wert zu Aktienkurs
Technische Analyse Momentum, Psychologie Trends, Wellen, Faktoren keine Beziehung zwischen Wert und Kurs
Fundamentalanalyse Gewinn, Umsatz, Dividende etc. Schätzung zukünftiger Gewinne, Umsätze und Dividenden variabel
Portfoliotheorie Risiko und Korrelation Risiko und Korrelation Wert = Kurs

 

Unterbewertete Aktien mit hohem Potential

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Bei der Betrachtung der Tabelle fällt auf, dass sich die Anlagestile im Bezug zwischen fairem Wert und tatsächlichem Aktienkurs unterscheiden:

Für technische Analysten ist der faire Wert unerheblich. Auch eine extrem überbewertete Aktie ist kaufenswert, solange der Trend im Chart nach oben zeigt.

Die Anhänger der Fundamentalanalyse gehen davon aus, dass sich der faire Wert und der Aktienkurs zwischenzeitlich unterscheiden können, aber mittel- bis langfristig wieder annähern. Deshalb wird gezielt nach Aktien gesucht, deren Kurs weit unter dem fairen Wert notiert.

Portfolio Investoren gehen davon aus, dass fairer Wert und Kurs immer identisch sind. Optimale Rendite wird nicht durch Auswahl einzelner Aktien, sondern durch eine Risikominimierung aufgrund der Mischung der Investments.

 

Das DCF-Verfahren ist der Fundamentalanalyse zuzuordnen.

Es werden alle zukünftig zu erwartenden Mittelzuflüsse (positive Cash-Flows) summiert und auf den gegenwärtigen Wert abgezinst (diskontiert).

Wir kommen zu einem späteren Zeitpunkt darauf zurück, was darunter zu verstehen ist.

Als Ergebnis wird der innere Wert der Aktie ausgegeben.

Liegt nun der Aktienkurs um eine gewisse Prozentzahl X, die Sie als Investor vorgeben, unter dem fairen Wert  (z.B. 20%),  so ist die Aktie eine Kaufgelegenheit.

Von Zeit zu Zeit überprüfen Sie die Aktien Ihres Portfolios, indem Sie jeweils den inneren Wert ermitteln und mit dem Aktienkurs vergleichen.

Sollen Sie nun sofort verkaufen, wenn der Aktienkurs deutlich (Prozentzahl X, also z.B. 20%) über dem inneren Wert liegt?

Nicht zwangsläufig! Wie oben erwähnt, gehen Fundamentalanalysten davon aus, dass sich innerer Wert und Aktienkurs unterscheiden können.

Somit kann eine Aktie, die über ihrem inneren Wert gehandelt wird, durch das Momentum (den aufsteigenden Trend) oder durch gute makroökonomische Umstände noch eine zeitlang weitersteigen.

D.h. bei günstigen Rahmenbedingungen kann die Aktie mit dem Finger auf dem "Verkaufen"-Button (sprich engen Stoppkursen) gehalten werden.

 

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Bevor wir nun auf den folgenden Seiten auf die einzelnen "Zutaten" der DCF-Methode eingehen, wollen wir die Vor- und Nachteile kurz auflisten.

 

Vorteile:

    • Der innere Wert der Aktie wird ausgegeben, im Gegensatz zu relativen Vergleichen mit anderen Aktien innerhalb von Branchen, die häufig bei anderen Ansätzen der Fundamentalanalyse vorgenommen werden.
    • Nur der operative Cash-Flow (Geldfluss aus dem Geschäft) zählt, d.h. die Sonderfaktoren, die die Ergebnisse in den Geschäftsberichten verfälschen können, werden eliminiert.
    • Das DCF-Verfahren erlaubt einen Einblick, woher der Firmenwert kommt.
    • Es kann ein direkter Vergleich zwischen dem inneren Wert und dem tatsächlichen Aktienkurs gezogen werden.

 

Nachteile:

    • Der Output ist nur so gut wie der Input, d.h. unrealistische Eingaben verfälschen das Ergebnis.
    • Es ist schwierig Cash-Flow, Wachstum und Kapitalkosten über mehrere Jahre zu prognostizieren.
    • Das Ergebnis ist nicht statisch. Bei Änderungen der Ausgangsbedingungen wie z.B. gravierende Zinsänderungen oder Geschäftsergebnisse ausser der Reihe muss die Berechnung angepasst werden (siehe auch vorhergehender Punkt).
    • Das DCF-Verfahren ist nur für den mittel- und langfristigen Anlagenhorizont geeignet.
    • Die Anwendung ist zeitaufwendig.

 

Eine Übersicht über die weitere Vorgehensweise erhalten Sie auf der folgenden Seite:

 

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