Eingabeparameter DCF-Verfahren: Angaben zu Kapitalkosten

8. November 2014 Posted by Mathias Maier

 

Im Segment "Kapitalkosten" sind 6 Eingabefelder vorhanden, wobei das letzte Feld "gewichtete Kapitalkosten" etwas abgesetzt ist, da erst die Angaben der Unternehmenszahlen eingetragen sein müssen, bevor die gewichteten Kapitalkosten berechnet werden können.

 

1.) Zinssatz für risikolose Anleihen:


Als Zinssatz für deutsche Aktien verwenden wir den Zinssatz der 10-jährigen Bundesanleihen.

Den aktuellen Zinssatz finden Sie z.B. in Zeitungen mit ausführlichem Wirtschaftsteil oder - wie könnte es anders sein im Internet.

Ich arbeite gerne mit "Anleihen-Finanzen.net".  Selbstverständlich gibt es noch eine Reihe weiterer Websites, die Ihnen die Informationen zur Verfügung stellen.

Wenn Sie eine ausländische Aktie im Fokus haben, sollten Sie den Zinssatz der entsprechenden 10-jährige Landesanleihe verwenden.

Auch dazu liefert Ihnen die Seite von Finanzen.net viele Informationen.

 

2.) Zinsaufschlag auf Unternehmensanleihen:


Der Zinsaufschlag ist  die Zinsdifferenz, die ein Investor bei einer Unternehmensanleihe zusätzlich gegenüber dem Zinssatz der 10-jährigen Bundesanleihen fordert. Wie bereits erwähnt verlangt ein höheres Risiko auch eine höhere Rendite, um Investoren zu gewinnen.

In der Regel sind Unternehmensanleihen mit einem höheren Risiko behaftet als z.B. deutsche Staatsanleihen. Noch geht niemand ernsthaft davon aus, dass die Bundesrepublik Deutschland zahlungsunfähig wird. Bei einem Unternehmen kann dieser Fall nicht immer ausgeschlossen werden.

Wie wird dieser Wert nun ermittelt?

 

Am einfachsten ist die Angelegenheit, falls das Unternehmen keine langfristigen Verbindlichkeiten hat. In diesem Falle spielt der Zinsaufschlag (Spread) keine Rolle, denn er geht nur in die Ermittlung der Fremdkapitalkosten ein. Leider werden Sie diese Konstellation sehr selten antreffen.

 

Noch relativ einfach ist die Ermittlung, falls das Unternehmen ein "Rating" einer Rating-Agentur besitzt. Firmen, die häufiger Unternehmensanleihen ausgeben, beauftragen eine Rating-Agentur (die 3 bedeutendsten sind S&P, Fitch und Moodys) um deren Bonität einstufen zu lassen.

Bei einem AAA (Triple A) - Rating (bei S&P und Fitch) bzw. einem Aaa - Rating (Moodys) gilt das Ausfallrisiko als vernachlässigbar. In diesem Fall fällt kein Zinsaufschlag an.

Bei einem Rating im "Investment-Grade" (AA bis BBB, bzw.  Aa bis Baa) können die Zinsaufschläge in Abhängigkeit der Bewertung in unterschiedlichen Medien gefunden werden (u.a.  Fachzeitschriften, Zeitungen mit ausführlichem Wirtschaftsteil).

Ich arbeite gerne mit der "Zinsstrukturkurve der Börse Stuttgart".  Hier läßt sich direkt die Differenz der jeweiligen Bewertungsklassen zu den Bundesanleihen auslesen.

Falls die Bonität des zu bewertenden Unternehmens schlechter als "Investment-Grade ist, also im "Junk-Bond" - Bereich, so können Sie den "Spread" über die Zinsstruktur der emittierten Anleihen bestimmen.

 

Liegt kein Rating vor, aber es wurden Unternehmensanleihen ausgegeben (Stichwort Mittelstandsanleihen), so können wie oben erwähnt, die Zinsstrukturen weitere Auskünfte geben.

Liegt weder ein Rating vor, noch wurden Anleihen ausgegeben, so bleibt nur der Weg über Vergleiche mit Firmen ähnlicher Finanzstruktur, deren Zinsaufschlag bekannt ist.

 

3.) Risikoprämie auf Aktien (Equity Risk Premium):

 

Noch ausgeprägter als bei den Unternehmensanleihen ist das Risiko bei einer Investition in Aktien.

Sehr schnell kann es geschehen, dass der Kurs einer Aktie um 20% fällt, sei es, das der Gesamtmarkt sich in einem Abwärtstrend befindet, sei es das explizit ein Unternehmen schlechte Zahlen oder ungünstige Nachrichten liefert, die den Kurs Richtung Süden schicken.

Für dieses Risiko erwartet der Investor einen Risikoaufschlag, wie im Abschnitt "Eigenkapitalkosten" unter "DCF-Grundlagen Schritt 2: Abzinsung" beschrieben.

 

Die Risikoprämie kann durch 3 unterschiedliche Methoden ermittelt werden:

 

  1. Durch Umfragen bei Firmenvorständen, Investoren und Ökonomen.
  2. Unter Zurhilfenahme historischer Daten, wobei zu Empfehlen ist, den Zeitraum nicht allzu weit in die Vergangenheit zu verlagern, da sich das Risikoverhalten im Laufe der Zeit wandeln kann.
  3. Durch Berechnung mittels Prognosen von zukünftigen Gewinn- oder Dividendenänderungen.

 

Zu beachten ist, dass die Risikoprämie länderspezifisch gesehen werden muss. Die Risikoprämie von U.S.-amerikanischen Aktien ist unterschiedlich zu dem deutscher Aktien.

 

Welchen Weg Sie einschlagen, bleibt Ihnen überlassen. Sehr einfach können Sie aktuelle Werte über "Marktrisiko.de" erhalten.

Sie sollten sich nur darüber im Klaren sein, dass unterschiedliche Ermittlungsmethoden zu unterschiedlichen Ergebnissen führen können, d.h. es gibt keinen "allein seligmachenden" Wert für den Risikoaufschlag. Zudem ist der Wert nicht konstant, sondern schwankt im Laufe der Zeit.

Deshalb sollten Sie bei der Ermittlung des inneren Wertes einer Aktie mit Ober- und Untergrenzen beim Marktrisiko arbeiten (falls Sie ein Marktrisiko von 5% ausgemacht haben, sollten Sie auch einmal mit 4% und 6% in's Rennen gehen.

 


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4.) Betafaktor (Beta):

 

Spiegelt die Risikoprämie das Risiko der gesamten Gattung Aktien eines Landes wieder, so stellt der Betafaktor das Marktrisiko einer einzelnen Aktie dar.

Der Betafaktor zeigt, wie stark eine Aktie im Vergleich zum entsprechenden Marktindex schwankt.

 

Eine Aktie mit einem β = 1 bewegt sich wie der Gesamtmarkt, d.h. steigt dieser um 10 % ist davon auszugehen, dass auch die Aktie um 10 % steigt. Das gilt natürlich entsprechend in die gegensetzte Richtung.

Eine Aktie mit einem β < 1 bewegt sich in einem geringeren Maß wie der Gesamtmarkt. Z.B. ein β = 0,1 bedeutet, dass sich die Aktie bei einer Erhöhung des Gesamtmarktes um 10 % nur um 1 % erhöhen sollte (entsprechend nur 1 % verliert bei einer Absenkung des Gesamtmarktes um 10 %).

Eine Aktie mit einem β > 1 bewegt sich in  einem stärkeren Maße als der Gesamtmarkt. Z.B. ein β = 1,5 bedeutet, dass die Aktie bei einer Erhöhung des Gesamtmarktes um 10 % um 15 % steigt (entsprechend  15 % verliert bei einer Absenkung des Gesamtmarktes um 10 %).

Zu erwähnen ist, dass der Betafaktor auch negativ sein kann. Dabei signalisiert ein β von -1, dass dass die Aktie bei einer Erhöhung des Gesamtmarktes um 10 % um 10 % fällt (entsprechend  10 % steigt bei einer Absenkung des Gesamtmarktes um 10 %).

 

Den Betafaktor finden Sie auf  diversen Finanzportalen wie z.B. "boersennews.de/" .

Für die Berechnung verwenden wir das 250 Tage (1 Jahr) Beta.

 

5.) Langfristige Schulden:

 

Die langfristigen Schulden lassen sich direkt aus der Bilanz des Unternehmens unter "Passiva" / "Langfristige Verbindlichkeiten" bzw. "Langfristige Schulden" entnehmen. Gerne können Sie die Daten auch aus einem Finanzportal oder ähnlichen Quellen entnehmen.

 

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>>>Eingabeparameter DCF-Verfahren: Übersicht Angaben zu Unternehmenskennzahlen

 
 
 
 
 

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