Geschäftsberichte

 

Schön, dass Sie den Weg zu diesem Kapitel eingeschlagen haben.

Bei vielen Privatanlegern gelten Geschäftsberichte als trockene Materie, mit der man sich besser nicht oder nur widerwillig beschäftigt.

 

Doch keine Angst. Um die im weiteren Verlauf benötigte Fundamentalanalyse zu betreiben, müssen Sie weder Betriebswirtschaft studieren, noch Seminare in Buchführung besuchen. Sie sollten nur in der Lage sein, die erforderlichen Daten aus den Berichten entnehmen zu können.

 

Der ein oder andere von Ihnen wird nun den Einwand bringen, dass die Zahlen auch in anderen Quellen z.B. in Finanzportalen kompakt zur Verfügung gestellt werden.

 

Frei nach Radio Eriwan: im Prinzip ja. Für die Berechnung der Kennzahlen werden Sie alle Werte finden, doch für das spätere Bewertungsverfahren besteht die Möglichkeit, dass Sie nicht alle Werte vorfinden (je nach Portal werden Werte zusammengefaßt). Und spätestens wenn Sie sich im Vorfeld für einen Wert entschieden haben, sollten Sie noch einen Blick in die Geschäftsberichte werfen. Denn oft sind in den Fußnoten wichtige Informationen versteckt, die die zuvor aufgeführten Zahlen in neuem Licht erscheinen lassen.

Auch im Ausblick der Geschäftsführung können interessante Auskünfte und Einblicke zum Vorschein kommen.

 



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IAS/IFRS, US-GAAP, HGB - nein danke?

Kein Problem. Hier wird nur ein kurzer Überblick gegeben, welches Unternehmen wie bilanzieren muß, kann oder darf, und was sich dahinter verbirgt.

 

Nutzen dürften Ihnen die Gewinn- und Verlustrechnung , sowie die Bilanz am Beispiel von Fielmann sein, da wir auf diese Werte im weiteren Verlauf zurückgreifen werden.

 

Bevor wir zu den einzelnen Kapiteln kommen, noch die Definition eines Geschäftberichtes laut Wikepedia:

"Ein Geschäftsbericht ist die Veröffentlichung eines Unternehmens, in der es den Anteilseignern und der interessierten Öffentlichkeit gegenüber Rechenschaft über das abgelaufene Geschäftsjahr ablegt.

Der Geschäftsbericht ist eine der wichtigsten Informationsquellen für den Eigentümer (z.B. bei einer Aktiengesellschaft die Aktionäre) über Strategie, Tätigkeit und Erfolg des Unternehmens."

 

I.) Bilanzierung nach IAS/IFRS

 

Um eine Vergleichbarkeit der Unternehmensabschlüsse über Grenzen hinweg zu ermöglichen, wurden internationale Rechnungslegungsstandards ("IAS" - international accounting standards) eingeführt.

Neuere Standards werden "IFRS" (international financial reporting standards) genannt. Da die älteren Standards weiter unter "IAS" laufen, wird von "IAS/IFRS" gesprochen.

 

Seit dem 1.Januar 2005 müssen alle Konzernabschlüsse von kapitalmarktorientierten Unternehmen (= Unternehmen, die Wertpapiere wie Aktien, mit Aktien vergleichbare Anlagenwerte oder Schuldtitel wie Inhaberschuldverschreibungen ausgegeb) nach "IAS/IFRS" erstellt werden. Alle anderen Unternehmen können nach "IAS/IFRS" bilanzieren.

 

Gewinn- und Verlustrechnung nach IAS/IFRS

 

Bilanz nach IAS/IFRS

 

II. Bilanzierung nach US-GAAP

 

Der Rechnungslegungsstandard in den USA ist die "US-GAAP" (United States generally accepted accounting principles).

Europäische Unternehmen, die an US-Börsen notierten, mußten nach "US-GAAP" bilanzieren. Seit 2007 wird "IAS/IFRS" anerkannt. Gleichzeitig muß die Rechnungslegung im Euro-Raum nach "IAS/IFRS" erfolgen.

Somit konzentrieren sich die Abschlüsse nach "US-GAAP" im amerikanischen Raum. Zum Vergleich: 2002 bilanzierten noch knapp 20% aller umstellungspflichtigen Unternehmen in Deutschland nach "US-GAAP".

 

Gewinn- und Verlustrechnung nach US-GAAP

 

Bilanz nach US-GAAP

 

III. Bilanzierung nach HGB

 

Bis vor wenigen Jahren bilanzierten die meisten deutschen Kapitalgesellschaften nach "HGB" (Handelsgesetzbuch). Inzwischen müssen alle kapitalmarktorientierten Konzerne nach "IAS/IFRS" bilanzieren.

Kleine und mittlere Kapitalgesellschaften mit Sitz in Deutschland, sowie rechtlich selbstständige Unternehmen innerhalb eines Konzerns müssen einen Jahresabschluß nach "HGB" erstellen.

Nach "HGB" ist die Gliederung der Gewinn- und Verlustrechnung, sowie der Bilanz fest vorgegeben.

 

Gewinn- und Verlustrechnung nach HGB

 

Bilanz nach HGB

 Fianzielle Freiheit

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IV.  Gesamtkosten- und Umsatzkostenverfahren

 

Wie bereits erwähnt gibt es bei der Gewinn- und Verlustrechnung zwei Verfahren: das "Gesamtkostenverfahren" und das "Umsatzkostenverfahren".

HGB und IAS/IFRS bieten die Auswahl zwischen beiden Verfahren an. US-GAAP verlangt zwingend das "Umsatzkostenverfahren".

 

Wie unterscheiden sich beide Methoden und welche wird wo angewandt?

 

Im mitteleuropäischen Raum wird überwiegend das "Gesamtkostenverfahren" verwendet. Im anglikanischen Raum liegt die Priorität auf dem "Umsatzkostenverfahren".

 

Beim "Gesamtkostenverfahren" werden die Gesamtleistungen wie Umsatzerlöse, Bestandsveränderungen und Eigenleistungen den Gesamtkosten gegenübergestellt. Die Kosten sind nach Art der Aufwendungen gegliedert.

 

Die Gegenüberstellung der Einnahmen und Ausgaben beim "Umsatzkostenverfahren" beschränkt sich auf die Umsatzerlöse, die gegen die Selbstkosten in Form von Herstellkosten, Verwaltungs- und Vertriebskosten verrechnet werden.

Bestandsveränderungen, Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten werden ausgeblendet.

 

Das Beispiel im folgenden Kapitel soll den Sachverhalt verständlicher machen:

 

Beispiel Gesamtkosten- / Umsatzkostenverfahren

 

 V. Bilanzierung eines Kleinbetriebes

 

Um die Materie etwas anschaulicher darzustellen, steht Ihnen ein einfaches,  fiktives Beispiel einer Gewinn- und Verlustrechnung, sowie der Bilanz eines Kleinunternehmens zur Verfügung.

 

Beispiel Gewinn- und Verlustrechnung eines Kleinbetriebes

 

Beispiel Bilanz eines Kleinbetriebes

 

VI. Bilanzierung am Beispiel von Fielmann

 

 Zum Abschluß der Reihe "Geschäftsberichte" wollen wir das ganze an einem praktischen Beispiel festmachen. Die Wahl fiel auf Fielmann aufgrund der übersichtlichen Gliederung des Berichtes. Damit ist keinesfalls eine Kaufempfehlung verbunden.

 

Beispiel Gewinn- und Verlustrechnung Fielmann AG

 

Beispiel Bilanz Fielmann AG

 

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>>>Gewinn- und Verlustrechnung IAS/IFRS un US-GAAP

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