DCF Grundlagen Schritt 1 - CashFlow berechnen

7. September 2014 Posted by Mathias Maier

 

Was bedeutet Cash Flow?

Zahlungswirksame Aufwendungen einer Periode werden von den zahlungswirksamen Erträgen abgezogen, d.h. alle Auszahlungen werden von den Einzahlungen subtrahiert. Ist das Ergebnis größer als 0 sprechen wir von einem positiven Cash Flow. Ist das Ergebnis kleiner als 0, sprechen wir von einem negativen Cash Flow. In diesem Fall wird Geld "verbrannt".

Analog zu einem Privthaushalt (vereinfachend gehen wir davon aus, dass alle Transaktionen über das Konto vorgenommen werden): Alle Auszahlungen Ihres Kontos werden von den Einzahlungen abgezogen. Ist am Ende des Jahres mehr Geld vorhanden als zu Jahresbeginn, ist Ihr Cash Flow positiv (was wir uns alle wünschen). Ob Ihr Auto im Laufe des Jahres an Wert verloren hat, oder ob Ihr Baugrundstück an Wert gewonnen hat, interessiert uns hier nicht, da noch kein Geld geflossen ist.

 

Warum wird der Cash Flow verwendet?

Die Verwendung des CashFlows als Bewertungsgrundlage eines Unternehmens bietet mehrere Vorteile:

  1. Bilanztechnische Bewertungsspielräume wie z.B. eine unterschiedliche Abschreibungspolitik wird eliminiert.
  2. Die Vergleichbarkeit der Abschlüsse über Landesgrenzen hinaus wird verbessert.
  3. Der Cash Flow läßt erkennen, ob ein Unternehmen in der Lage ist seinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen, oder ob es Kapital "verbrennt".

Es ist durchaus möglich, dass ein Unternehmen über mehrere Jahre in der Gewinn- und Verlustrechnung einen Überschuß (Gewinn) ausweist, aber einen negativen Cash Flow verbucht, also die liquiden Mittel zurückgehen.

Sie können sicherlich nachvollziehen, dass in einem solchen Fall eine Insolvenzgefahr besteht, die bei alleiniger Betrachtung der Gewinn- und Verlustrechnung verborgen bleibt.

 

 

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Methoden der Berechnung

Für die Berechnung des Cash Flows können zwei Methoden verwendet werden:

 

1.) Direkte Methode:

 

Cash Flow = zahlungswirksame Erträge - zahlungswirksame Aufwendungen

 

Bei der direkten Methode werden alle zahlungswirksamen Aufwendungen (z.B.  Auszahlungen für Personal, Material und Ware) von den zahlungswirksamen Erträgen (z.B. Einzahlungen aus Umsätzen und Forderungen) subtrahiert.

Als Ergebnis erhält man den Cash Flow.

 

2.) Indirekte Methode:

 

+ Jahresüberschuß

 - liquiditätsunwirksame Erträge

+ liquiditätsunwirksame Aufwendungen

= Cash Flow

 

Es wird der Jahresüberschuß der Gewinn- und Verlustrechnung verwendet, in dem schon die zahlungswirksamen Aufwendungen und Erträge berücksichtigt sind, subtrahiert die liquiditätsunwirksamen Erträge und addiert die liquiditätsunwirksamen Aufwendungen. Als Ergebis erhalten wir den Brutto Cash Flow.

Vereinfacht läßt sich sagen:

 

+ Jahresüberschuß

+ Abschreibungen (-  Zuschreibungen)

+ Veränderung der Rückstellungen

 - Erhöhung der Forderungen, Vorräte etc.

+ Erhöhung der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen etc.

= Cash Flow  

 

  Der Free Cash Flow

Der Free Cash Flow gibt an, wieviel Geld für die Anleger innerhalb einer Periode übrig bleibt. Er wird folgendermaßen berechnet:

 

+ Brutto Cash Flow

-  Investitionen

+ Desinvestitionen

= Netto Cash Flow 

Berechnung zukünftiger Cash Flows

Alle Werte, die wir benötigen, können wir problemlos den Geschäftsberichten entnehmen.

Noch einfacher: wir werfen einen Blick in die Kapitalflussrechnung (Statement of Cash Flows) des Unternehmens oder wir rufen eine Börsen-Website auf, die uns die gewünschten Angaben zum Cash Flow liefert.

Da wir beim Discounted-Cash-Flow-Verfahren mit zukünftigen Cash Flows arbeiten, bleibt uns dieser Weg versperrt.

Stattdessen werden wir wie folgt vorgehen, wobei ein mit "0" gekennzeichneter Wert den Wert aus den letzten verfügbaren Daten angibt (Jahr 0 sozusagen), während ein mit "1" gekennzeichneter Wert sich auf zukünftige Prognosen (in diesem Fall Jahr 1) bezieht:

 

1. Berechnung des zukünftigen Umsatzes:

 

Den Umsatz berechnen wir nach der Formel:

 

 

Wie wir auf den Wert des Umsatzwachstums, sowie auf die im folgenden Verwendeten Werte der EBIT-Marge, der Steuerrate, der Investitionsrate, der Abschreibungsrate und der Nettoumlaufvermögensrate kommen, wird im Abschnitt "Übersicht Eingabeparameter DCF-Verfahren" detailliert beschrieben.

Wir wollen unsere fiktive Firma Smallpower AG wieder bemühen, um die Berechnungen an einem praktischen Beispiel nachvollziehen zu können.

Laut Geschäftsbericht hatte die Smallpower AG im letzten Geschäftsjahr einen Umsatz von 12.351.000 €. Das Umsatzwachstum wurde mit 8,5 % berechnet:

 

 

2. Berechnung des zukünftigen EBITs:

 

Auf ähnliche Weise berechnen wir das EBIT:

 

 

 Bei der Smallpower AG gehen wir von einer EBIT-Marge von 32,0 % aus. Daraus folgt:

 

 

 

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3. Berechnung des zukünftigen NOPLATs:

 

Der NOPLAT (Net Operating Profit Less Adjusted Taxes = Geschäftsergebnis abzüglich angepasster Steuern) wird wie folgt berechnet:

 

 

Die angepassten Steuern beziehen sich nur auf  das Einkommen und die Erträge, die auf das operative Ergebnis (also das EBIT) angefallen wären. Finanzaufwendungen und Finanzerträge (wie z.B. Zinszahlungen, Zinserträge) bleiben aussen vor. Das Unternehmen wird behandelt, als ob es komplett mit Eigenkapital finanziert wäre.

Somit wird die "angepasste Steuerrate" nach folgender Gleichung berechnet:

 

 

Bei unserer Smallpower AG war das EBIT laut Geschäftsbericht 3.952.320 €. Die Steuern beliefen sich auf 1.121.000 €.

Damit ergibt sich die Steuerrate mit:

 

 

Somit beträgt der zukünftige NOPLAT:

 

 

4. Berechnung der zukünftigen Investitionen:

 

 

 Bei der Smallpower AG gehen wir von einer Investitionsrate von 16,5 % aus. Daraus folgt:

 

 

5. Berechnung der zukünftigen Abschreibungen:

 

 

 Bei der Smallpower AG gehen wir von einer Abschreibungsrate von 7,0 % aus. Daraus folgt:

 

 

6. Berechnung der Änderung des Nettoumlaufvermögens (NVU):

 

Das Nettoumlaufvermögen (Net Working Capital) wird wie folgt definiert:

 

 

dies entspricht:

 

 

Die Änderung des Nettoumlaufvermögens berechnen wir mit der Formel:

 

 

Bei der Smallpower AG gehen wir von einer Nettoumlaufvermögensrate von 1,0 % aus. Daraus folgt:

 

 

 7. Berechnung des Free Cash Flows (FCFF):

 

An dieser Stelle fügen wir alles zusammen, was wir im Vorfeld ermittelt haben.

 

+ NOPLAT

-  Investitionen

+ Abschreibungen

 - Erhöhung des Nettoumlaufvermögens (+ bei Verminderung)

= Free Cash Flow 

 

Um den Sachverhalt zu veranschaulichen, wollen wir die Werte der Smallpower AG verwenden:

 

+ 3.072.114,6 €

-  2.211.137,8 €

+ 938.058,5 €

 - 10.498,5 €

= 1.788.536,8 € 

 

Wir erwarten also für die Smallpower AG nach einem Jahr einen freien Cash Flow von 1.788.536 €.

In Abhängigkeit, mit wie vielen Jahren des Wachstums wir rechnen, wird diese Rechnung für die Folgejahre weitergeführt.

 

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>>>DCF-Grundlagen Schritt 2: Abzinsung

 

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